05.11.2006
Aachener Zeitung/Aachener Nachrichten
Wenn auf dem Marktplatz der Hirsch ruft
Das zweitägige Monschau-Halali
bot mitten in der Altstadt Monschau wieder Natur zum Anfassen.
Greifvögel segelten vom Haller herab.
Monschau. Für Sven
Kotzeck aus Eschweiler war am Samstag sicherlich ein Glückstag.
Greifvögel - allen voran der Steinadler - sind die Lieblingstiere
des Elfjährigen. Er hat haufenweise Bücher und Filme über
diese Tiere verschlungen und als Glücksbringer immer eine
Falkenhaube dabei, ein Geschenk, das ihm ein bekannter Falkner
einmal gemacht hat. Beim Halali in Monschau am Wochenende freute
er sich natürlich besonders auf die spektakuläre Flugschau
der Greifvogelstation des Wildfreigeheges Hellenthal. Die Vögel
segelten vom Haller hinab, umkreisten die Stadt, näherten
sich schließlich im Sturzflug dem Marktplatz und landeten
sicher auf dem Arm ihrer Falknerinnen. Sven hatte die Chance, die
Falken ganz nah zu erleben: Er durfte den Falknerhandschuh überziehen
und eins der beeindruckenden Tiere in Empfang nehmen. "Es
ist ein Wüstenbussard", erkannte er gleich und war sichtlich
stolz, das faszinierende Geschöpf zu halten.

Lernort Natur
Auch die Familie Kessel aus Euskirchen war wegen der Kinder zum
Halali nach Monschau gekommen. Julian will nämlich Förster
werden. Bei der "Rollenden Waldschule" bekam der sechsjährige
den Mund vor Staunen fast gar nicht mehr zu: über 200 Präparate
hatte die Kreisjägerschaft Aachen im Aukloster ausgestellt.
Ausgestopfte Tiere, Geweihe, aber auch Baumstämme, Zapfen
und Nistkästen gab es anzuschauen. Hermann Carl konnte zu
jedem Ausstellungsstück eine kleine Geschichte erzählen.
Seit zehn Jahren fährt der Obmann der Kreisjägerschaft
für das Programm "Lernort Natur" die verschiedenen
Grundschulen in Kreis und Stadt Aachen an und bringt den Kindern
das Leben im Wald näher: "Ich will den Schülern
vermitteln, wie wichtig die Natur für uns ist. Wir sind nur
ein kleiner Teil eines ganz großen Systems, in dem wir nur überleben
können, wenn wir die Umwelt richtig behandeln", erklärte
er. Julians Schwester Ann-Kathrin rannte inzwischen geschäftig
mit einem Fragebogen durch die Waldschule. Sie wollte die Kinderjägerprüfung
ablegen. Fragen aus den Bereichen Natur, Jagd, Forst, Imkerei und
Biostation mussten hier beantwortet werden:

Wer keine Scheu hatte,
den vielen Experten vor Ort "Löcher in den Bauch" zu
fragen, konnte tolle Preise gewinnen. Gewinnen konnte auch, wer
es schaffte, den Brunftschrei von Rotwild möglichst originalgetreu
nachzumachen. "Das muss ein Jäger nämlich können,
wenn er einen Hirsch locken will", weiß Hermann Carl.
Auf einem Ochsenhorn, einem Lampenzylinder, dem Eifelhirschruf,
verschiedenen Röhren, einer Muschel und sogar einer Gießkanne
versuchten die Teilnehmer des Hirschrufwettbewerbs den Schrei zu
imitieren - und machten ihre Sache ziemlich gut. Was von den Experten
mit großem Ernst betrieben wurde, wurde von den Zuschauern
mit großem Gelächter quittiert: Ein Mann, der Rülpslaute
auf einer Gießkanne produziert, ist wahrlich nur schwer ernst
zu nehmen! Nachdem der letzte Brunftschrei verklungen war, erfüllten
Jagdhornklänge die Stadt. Mit Liedern und Gedichten zur Jagd
sorgten die Jagdhornbläserkorps des Kreises Aachen für
die richtige Stimmung.
Was es sonst noch gab in Monschau: eine
Jagdgebrauchshundevorstellung am Marktplatz, Schnapsbrenner und
Eulenschnitzer am Aukloster, Messestimmung in der Markthalle und
eine Geländewagenausstellung an der Laufenstraße, einfach
alles, was das Jägerherz begehrt. (nl)
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